Mittwoch, 19. Februar 2025

Nähtagebuch - 20. Februar 2025

Und gestern habe ich mir eine neue Nähkurstasche genäht, weil meine bisherige (eine Pfaff Werbetasche aus diesem Streifchenplastik aus dem auch Einkaufsbeutel und Laubsäcke für den Garten gemacht werden) sich langsam aufgelöst hat. Die Riemen und den Reißverschluss von der alten Tasche habe ich wieder verwendet und Streifen vom Taschenmaterial als Deko auf der neuen. Der Taschenkörper der neuen Tasche besteht aus dunkelblauem Rucksackperlon aus Altbeständen meiner Mutter, das ich 2023 dem Recycling-Kosmos gespendet hatte. Es war recht mühsam zu verarbeiten, da sehr steif und dicht gewebt, aber es wird ewig halten 👍

Meine neue Nähkurstasche

Montag, 17. Februar 2025

Nähtagebuch 17. Februar 2025

Heute habe ich aus einem Ärmel von dem alten bunten Ski-Anorak eine Bauchtasche zum Joggen genäht. War eine schwere Geburt, weil ich ganz viele Anleitungen hatte, aber keine, die zu meinem Material und meinen Vorstellungen gepasst hat. Der Reißverschluss ist auch alt - aus einer Regenjacke rausgetrennt, weil das untere Ende vom Teilbaren RV defekt war, aber gekürzt funktioniert er unteilbar tadellos. Nur ein Stück Gurtband und eine Schnalle musste ich neu kaufen (zusammen 6 Euro).

Samstag, 8. Februar 2025

Nähtagebuch - 9. Februar 2025

Gestern und heute habe ich aus einem sehr bunten sehr weiten 80erjahre-Skianorak mit Fledermausärmeln eine Weste genäht. Mit dem Auftrennen hatte ich schon früher begonnen, aber mir fehlte zunächst der gewünschte Westenschnitt (Burda 1/2010, #112), da genau dieser Schnittbogen irgendwo in meinen Stoff- Schnittmuster- und UFO-Bergen versteckt ist und auch der Mut, in die Jacke reinzuschneiden. Den Schnittbogen hat mir eine liebe Hobbyschneiderin aus DE geborgt und jetzt gab es keine Ausrede mehr. Trotz diverser Hindernisse (vor allem in Form von eingenieteten Druckern, die es unmöglich machten, die Teile ganz aufzutrennen und das Verstürzen der Armlöcher und das Einsteppen des Reißverschlusses sehr "interessant" machten, ist das Ding fertig geworden und sieht ganz gut aus. Ich werde es dann gleich einmal zu einem Spaziergang anziehen.

Donnerstag, 6. Februar 2025

So nicht!

Übernommen aus www.vernadelt.at. Es kann sein, dass Links nicht mehr funktionieren.

ju_wien schrieb am 16.02.2023:

Als ich gestern nach einer Anleitung suchte, wie man bei einem nahtfeinen Reißverschluss den Halsausschnittbesatz mit der Maschine befestigt (gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=kydVdailwAQ) bin ich zuerst auf viele OMG "Lösungen" gestoßen. Da ich den Produzent_innen schlechter Anleitungen nicht auch noch Links und damit Treffer und besseren Google-Rank liefern will, schreibe ich in dem Bereich, den nur angemeldete Menschen lesen können.

Hier gleich eine ganze Sammlung https://siiraj.blogspot.com/2021/08/15n ... nahen.html es sieht danach aus, als wäre das ein Copy/Paste Blog, denn die meisten Fotos und Textbestandteile stammen von fremden Websites.

Das hellblaue Kinderkleid, bei dem die Taillennaht am RV gleich um einige cm verrutscht ist, dürfte von schnittchen.com stammen, die Website ist derzeit wegen Überarbeitung offline.

Abhilfe: Den Reißverschluss im geschlossenen Zustand anstecken, dann sieht man, ob die Taillennaht oder Querstreifen zusammen treffen. Man kann sich wichtige Stellen auch mit Zauberkreide / löschbarem Stift / Heftfaden am RV-Band markieren und dann beim Stecken und Heften darauf achten, dass die mit den entsprechenden Stellen am Werkstück korrespondieren. Gerade bei quer gestreiften oder karierten Stoffen ist es außerdem hilfreich, wenn man den RV nicht runter und rauf in einem Stück einsteppt, sondern in 2 Etappen, also zweimal runter oder zweimal rauf.

Das graue Sweatshirt mit dem "Spitzen"-Reißverschluss wird hier genauer beschrieben: https://www.mamahoch2.de/2016/04/wie-ma ... naeht.html

Also: außen sichtbar aufgesteppte RV sind ja Geschmackssache, manchmal sind sie modern und man sieht sie überall und manchmal sind sie auch hilfreich, zB wenn für Nahtzugaben zu wenig oder kein Stoff da ist, wie in dem gezeigten Beispiel. Aber so ist der RV keine Zierde.

Abhilfe:
Erstens: die Stelle, an der der RV eingesetzt werden soll, mit Bügeleinlage verstärken. Ein Streifen von ca. 3 cm Breite reicht meistens aus. Wenn man Bedenken hat, dass die Ränder der Einlage durch den weichen Stoff sichtbar sind, kann man die Bügeleinlage mit der Zackenschere schneiden oder sie an den Rändern auszupfen.
Zweitens: Nicht nur die Länge mit dem Maßband festlegen, sondern die Schnittlinie mit dem Lineal aufzeichnen und dann an der gezeichneten Linie schneiden, wenn man keine sehr ruhige Hand und geübtes Augenmaß hat.
Drittens: Wenn es, wie hier, keine Nahtzugabe gibt, da der RV an einer Stelle ohne Naht angebracht werden soll, ist die korrekte Vorgangsweise, dass man den Schlitz zunächst mit einem Stoffstreifen verstürzt. Das kann ein Rest vom Oberstoff sein oder auch ein farblich passender Futterrest oder sonst ein dünner Stoff mit ähnlichen Pflegeeigenschaften wie der Oberstoff.
In der Konfektion ist es gerade bei Sportsachen üblich, den RV direkt mit den Schlitzrändern zu verstürzen. Aber dazu braucht man (viel) Übung und etwas elastische Stoffe, die nicht leicht ausfransen. Das übt man zunächst an Stoffresten und trennt den RV mehrmals wieder aus und näht ihn in einen anderen Stoffrest ein, bis man es kann. Mit Stoffstreifen Verstürzen geht eindeutig einfacher.
Viertens: Wellen beim Einnähen eines RV in Jersey lassen sich verhindern, indem man den RV "kurz hält" - also, der RV sollte für die geplante Öffnung ca. einen halben cm zu kurz sein, damit der Stoff daneben ein wenig eingehalten wird. Ich weiß, das klingt zunächst überraschend, denn der Jersey dehnt sich, die RV-Bänder sind nicht elastisch, man würde intuitiv daher umgekehrt vorgehen. Aber probiert es einmal an einem Jerseyrest aus!

Das hier https://insider.alles-fuer-selbermacher ... einnaehen/ ist das am wenigsten furchtbare "Beispiel" aus der Sammlung. Grundsätzlich kann man so vorgehen. Aber man sollte dabei darauf achten, dass man links und rechts genau den gleichen Abstand von der RV-Mitte einhält, gerade bei einem kontrastfarbenen RV-Band, wo Ungleichmäßigkeiten besonders ins Auge stechen! Wenn man noch nicht so geübt ist, tut man sich mit der hergebrachten Methode leichter: Den RV "normal", dh von der Außenseite her einsteppen, da sieht man genauer, wo man ist, und den Beleg anschließend mit der Hand von innen an das Reißverschlussband anstaffieren. ("Staffieren" sind kurze unsichtbare Stiche, mit denen Futter in Jacken oder Mäntel eingenäht wird. Anleitung zB hier https://www.burdastyle.de/naehtipp-handstiche-naehen und hier https://soleila.de/handstiche/ mit Video hier https://simply-kreativ.de/bibliothek/na ... fierstich/
 
insa-ana antwortete:  So schon!
https://youtu.be/dilNiUyuL28
Liebe ju, schau ich heute morgen ins Forum und lese deinen herzerfrischenden Beitrag. You made my day. 
Du hast recht das ist alles haarsträbender Dilettantismus.
 
ju_wien antwortete:  Danke für den Link zum Kenneth D. King Video, Insa-Ana! Das sieht machbar aus. Vorgestern hatte ich ja zufällig mit der Nähkursleiterin über nahtfeine Reißverschlüsse gesprochen und sie hat erzählt, dass das eine ewige Diskussion zwischen ihr und ihrer Ausbildnerin war. Die Ausbildnerin hat gesagt, man muss zuerst die Naht schließen, dann den RV einnähen, meine Kursleiterin macht es lieber umgekehrt. Meiner Erfahrung nach funktionieren beide Methoden und man kann und mag halt die besonders gut, die man öfter ausgeführt hat.

Die Heftnaht, mit der King die RV-Bänder an den NZG befestigt, könnte man IMO auch mit der Maschine ausführen und dann gleich drinnen lassen, damit die RV-Bänder nicht lose "herumflattern".

Die Naht zuerst ganz schließen, wie King das macht, mache ich bei den meisten "normal" eingesetzten Reißverschlüssen, vor allem im Rücken oder in der Seitennaht. Bei Hosenverschlüssen mit Untertritt bringt es nichts, da der RV ja nicht genau in Verlängerung der Naht eingesetzt wird, sondern ein bisschen versetzt. Bei Nahtreißverschlüssen habe ich es noch nicht versucht. Die Methode ist jedenfalls dann besonders sinnvoll, wenn das Muster an der Naht haarscharf zusammen passen soll.

Hast du verstanden, wie das Instrument heißt, das er zum Runterziehen des Zip-Schwanzerls verwendet? Es sieht mir nach einem medizinischen Gerät aus. Man muss sich jedenfalls vorher überlegen, wie man das Schwänzchen durch die Engstelle bekommt, sonst wird das eine elendigliche Fummelei.

In irgendeinem Buch von einer Amerikanerin (Maynard? Shaeffer?) gab es eine Beschreibung einer Methode, mit der Reißverschlüsse in Haute Couture Kleidung unsichtbar eingesetzt wurden, als es die nahtfeinen RV noch nicht gab. Sollte ich auch einmal nachschauen.

Ich hatte allerdings keine Anleitung für das Einsetzen des RV gesucht, sondern wie man es hinkriegt, dass der Halsausschnittbeleg genau an der richtigen Stelle endet, damit er den RV nicht behindert, aber oben auch keine Lücke bleibt. (Und das ganze auch noch symmetrisch, damit das Kleid auch von innen schön aussieht.)
 
So vielleicht: 
 
Exkurs: Unsichtbare Haute Couture Reißverschlüsse, beschrieben von Claire Shaeffer ("Couture Sewing Techniques"), allerdings ohne Zeichnungen oder Fotos:

Stitchless Zipper:
A variation of the slot zipper, the stitchless zipper was used extensively in the 1960s. To use this technique, the garment must have a backing.
1. Thread-trace and stay the opening.
2. Turn under the seam allowances; baste. Press.
3. Wrong side up, use running stitches to sew the zipper to the seam allowances only.
4. Fell stitch the edges of the zipper to the seam allowances.
5. Using blindstitches, sew the seam allowances to the backing.
Also, auf Deutsch: der RV wird nur an der Nahtzugabe angenäht, die Nahtzugabe wird an der Einlage fixiert. Damit ist auch klar, wann das gut funktionieren kann und warum es nach den 1960er Jahren nicht mehr so häufig gemacht wurde. Man braucht eine (stabile) Näheinlage, die an der Kante unsichtbar angehext wurde (im Text nicht extra erwähnt, aber das war damals Stand der Technik). Bei den heute üblichen dünnen Bügeleinlagen ist es schwierig, die NZG an der Einlage zu fixieren, ohne, dass Stiche oder auch nur winzige Einbuchtungen an der Außenseite sichtbar werden. Kleben wäre natürlich möglich, aber das ist erstens keine anerkannte Haute Couture Methode und zweitens sieht man geklebte Stellen meistens deutlich, da sich der Stoff dort nicht bewegen kann, aber daneben schon.

Nebenbei interessant: ich habe kurz gegoogelt, um rauszufinden, ob sie mit "backing" allgemein eine Einlage meint oder eine spezielle Einlage. Die Treffer waren aber fast alle für Anwendungen beim Quilten oder Maschinsticken (jede Menge aufbügelbare Einlagen und Vliese, auswaschbare Folien usw.). In heutigen Nähanleitungen wird meistens der Ausdruck interfacing für die Einlage verwendet. (Lining = Futter; underlining = ein Futter oder feiner Stoff, mit dem der Oberstoff unterlegt und dann wie eine Stofflage verwendet wird, zB bei Spitze oder anderen transparenten Stoffen, interlining = eine Zwischeneinlage, zB ein Wollvlies in einem Wintermantel). Im Threads Magazine gibt es alle paar Jahre langatmige Diskussionen darüber, ob unterlegen oder füttern "besser" ist, nur um ganz zum Schluss dann zu verraten, dass es vom jeweiligen Anwendungsfall abhängt.
 
So nicht: 
 
Diese Anleitung bei butinette fällt unter das Kapitel "nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig". Vor allem für Nähanfänger_innen enthält sie vermeidbare Stolpersteine.

https://blog.buttinette.com/naehen/naeh ... narbeiten/

Wenn man nicht gerade Industrienäherin ist und 40 Stunde pro Woche Reißverschlüsse einsetzt, wird es wahrscheinlich nicht klappen, den RV mit nur einer Stecknadel am Anfang so zu fixieren und sicher zu halten, dass er nachher genau passend eingesteppt ist. Also für Anfänger_innen und Mittelgeübte: Stecken und heften! Beim Stecken darauf achten, dass die Raupe später genau an der Kante (= Nahtlinie) liegen soll. Das erreicht man entweder mit Augenmaß und Übung oder, indem man die Nahtzugabe und die Breite des Reißverschlussbandes abmisst. Breite der NZG minus Breite des RV-Bandes = die Linie, an der das RV-Band auf der NZG angelegt wird.

Außerdem soll man bei nahtfeinen Reißverschlüssen vor dem Aufstecken die Raupe mit dem Daumennagel ein wenig auf die Seite streifen, bis sie glatt liegt und man die Stelle sieht, wo die Raupe im Stoff "festgewachsen" ist. Manche Anleitungen empfehlen auch, die Raupe zur Seite zu bügeln, dabei aber bitte keine zu hohe Temperatur wählen.

Jetzt wird es etwas kniffelig:


Stimmt! Die Stelle, wo die Verbindungsnaht unterhalb vom RV endet, ist die kniffeligste an der ganzen Prozedur. Wenn sich der Stoff auch nur 1 mm verschoben oder gedehnt hat, entsteht dort eine Beule und da ein RV im Rücken eines Kleides meistens in Hüfthöhe endet, hat man dann immer das Gefühl, dass einem alle auf den Po starren und die Beule im Kleid sehen. *glotz* Also: im Zweifel heften und notfalls auftrennen, glatt bügeln und noch einmal probieren.

Tipp: Wenn Ihr einen normalen Reißverschluss habt, könnt Ihr auch diesen nutzen. Lasst die Nadel rechts einstechen und schließt damit die Naht, das geht noch etwas einfacher.
- Äh? *kratz* Wahrscheinlich wollten sie "normalen Reißverschlußfuß" schreiben, dann ergibt der Text an dieser Stelle eventuell Sinn.

Jetzt könnt Ihr die Naht oberhalb des Reißverschlusses genauso wie die Untere schließen. Auch ein Bund oder Beleg könnte jetzt angenäht werden – und schon habt Ihr für Euer Nähprojekt einen nahtverdeckten Reißverschluss eingearbeitet!


Ja, alles ist möglich. *facepalm* Aber im gezeigten Beispiel beginnt der RV oben am Halsausschnitt eines Kleides und das ist auch der häufigste Anwendungsfall von nahtfeinen Reißverschlüssen. Da wird oben keine Naht mehr geschlossen, sonst kommt man nämlich mit dem Kopf nicht durch ;-) Und Anfänger_innen würden sich über einen Link zu genaueren Erklärungen freuen.

Noch eine kleine Anmerkung zu Foto Nr. 2: Wenn das Maßband Wellen schlägt, ist es schwierig, damit genau zu messen. Man kann versuchen, es glatt zu streifen oder vorsichtig zu bügeln (ohne es zu dehnen!) oder sich ein neues leisten. Das neue sollte man dann aber pfleglich behandeln, damit es nicht gleich wieder wellig und verbogen wird. Nach Gebrauch immer locker aufrollen und so in die Zubehörbox oder den Nähkorb legen, dass keine schweren Teile (Scheren etc.) darauf zu liegen kommen. Wer einen fixen Nähplatz hat, kann es auch an einem Haken aufhängen oder der Schneiderpuppe um den Hals legen.
So schon:
ju_wien hat geschrieben:Hast du verstanden, wie das Instrument heißt, das er zum Runterziehen des Zip-Schwanzerls verwendet? Es sieht mir nach einem medizinischen Gerät aus. Man muss sich jedenfalls vorher überlegen, wie man das Schwänzchen durch die Engstelle bekommt, sonst wird das eine elendigliche Fummelei.


Gefunden! https://www.threadsmagazine.com/2017/11 ... ble-zipper
Das Ding ist ein hemostat - zu deutsch Gefäßklemme oder Arterienklemme https://de.wikipedia.org/wiki/Arterienklemme
Wenn man keinen Zugang zu chirurgischen Werkzeugen hat, müsste man den Werkzeugkoffer nach einer sehr schmalen Flachzange oder Spitzzange durchsuchen.

Man könnte auch vor dem Schließen ein Stück feinen Draht durch die Öse vom Schieber fädeln und den Schieber dann damit durch die Engstelle ziehen. Und wenn man rechtzeitig daran gedacht hat, die provisorische Steppnaht am Ende und auch ein paarmal zwischendurch durchzuschneiden, kommt man eventuell leichter zum Schieber (und auch das spätere Entfernen der provisorischen Naht wird erleichtert).
Gehört auch die die Kategorie "halb richtig" https://selbstgemacht.de/handarbeit/nae ... -einnaehen

Die Anleitung stimmt an sich schon, aber die gezeigte Methode, Reißverschlüsse zunächst an beiden Enden mit kleinen Stoffstücken einzufassen und dann erst einzusteppen, kann man fast nur bei Täschchen und Taschen brauchen - aber oben auf der Seite ist das Foto eines Hosenreißverschlusses (in Jeans) abgebildet. Da funktioniert das Einnähen ganz anders!

Wenn ich Kunden für teure Herrenmaßkleidung begeistern will, würde ich nicht gerade ein Foto wählen, das aussieht, als wäre das Sakko beim Waschen eingegangen https://bespokeedge.com/blog/whats-pick-stitching


Exkurs: Pick Stitch ist ein offener Rückstich. An der Oberseite sind nur kurze Stiche in größeren Abständen zu sehen, aber sie sind etwas länger als beim Punktstich (der auch eine Variante vom Rückstich ist). Ob er im Deutschen einen eigenen Namen hat, weiß ich nicht, bekannt ist mir keiner. Verwendet wird der pick stitch vor allem als Verzierung (und gleichzeitig Befestigung) an den Revers und sonstigen Kanten teurer Sakkos und Mäntel. Dabei verläuft der Rückstich unsichtbar zwischen den Stofflagen, an der Oberseite sieht er wie kurze Vorstiche aus.
Eine andere Anwendungsmöglichkeit ist das Verbinden von Ausschnittbesatz und Nahtzugabe, wie hier gezeigt https://blog.treasurie.com/pick-stitch/ Aber das wird heute meistens mit der Maschine gemacht.
Beim Punktstich sind die oben sichtbaren Stiche noch kürzer, eben wie Punkte. Damit werden manchmal Reißverschlüsse händisch eingesetzt, wobei manche Expert_innen schwören, dass man das besser mit kurzen Vorstichen macht, da diese ein bisschen Bewegung zwischen Stoff und Reißverschlussband erlauben und der Reißverschluss daher noch unauffälliger ist.
 
In diesem Video mit dem Titel Simplicity's Invisible Zip Masterclass https://www.youtube.com/watch?v=s5XmFLrXfbw sieht man bei Minute 3:25, dass die Nadel nicht direkt neben den Zähnchen einsticht und schon gar nicht in der schmalen Furche, die man erst sieht, wenn man die Raupen mit dem Finger auf die Seite drückt, sondern in einigen mm Abstand. Gegen Ende des Videos sagt sie dann "Wenn die Naht nicht knapp genug an den Zähnchen liegt, nähen Sie einfach noch einmal darüber!" - ja, klar. Noch einmal geht meistens, aber "Masterclass" geht anders ;-)

Nebenbei: die Teile, in die sie den Zip einsetzt, haben oben (bei der RV-Öffnung) das Endel. Wenn das der Rücken eines Kleides sein soll, dann hat sie den im Querfadenlauf zugeschnitten. Bei einem Demo-Stück ist es egal, bei einem Kleidungsstück nicht, wenn man auf guten Fall und gute Passform Wert legt.

Sowas Rutschiges, Glänzendes hätte *ich* mir allerdings für ein Vorführ-Video nicht ausgesucht :) Man kann sich das Leben auch unnötig schwer machen.
 
 So schon!

Hier sieht man schön, wo die Nadel einstechen soll, damit der nahtfeine RV später wirklich unsichtbar ist:
https://www.youtube.com/watch?v=FVXZ4cI2lWg
 
 Hier wird gezeigt, wie man einen Hosenreißverschluss ganz einfach einsetzen kann https://www.youtube.com/watch?v=13QFBD9Rzrg

Grundsätzlich funktioniert die Methode und sie wird auch gut erklärt, aber sie ist erstens nur möglich, wenn man sich sicher ist, dass es keine Änderungen in der vorderen Mitte und bei der Schrittnaht nötig sind, also bei einem Schnitt, nach dem man schon eine oder mehrere Hosen genäht hat. Das zweite Problem wird im Video angesprochen: Man kann die Schrittnaht unterhalb des Reißverschlussschlitzes nicht ganz zu Ende steppen. Die Lücke zwischen Reißverschluss und Schrittnaht wird nur durch die Ziersteppnaht geschlossen. Das ist schon relativ knifflig, da man an dieser Stelle nicht gut dazu kommt. Und: Das Nahtstück zwischen den inneren Beinnähten und dem Hosenschlitz gehört zu den am stärksten beanspruchten Nähten überhaupt, umso mehr, wenn die Hose relativ knapp sitzt. Spätestens, wenn man die aufgeplatzte Naht flicken muss, weiß man, dass sich die paar Minuten Zeitersparnis beim Einsetzen des Reißverschlusses nicht ausgezahlt haben.
 
Jein: 
 
Noch eine Methode, einen Hosenreißverschluss einzusetzen https://www.youtube.com/watch?v=-hsd0xMQtNw - auch hier besteht wenig Möglichkeit für Maßarbeit und Änderungen nach der Anprobe, aber die Schrittnaht ist wenigstens zu. Allerdings flattert der Untertritt lose herum. *waah* Und der RV wurde am oberen Rand nicht an der Nahtlinie, sondern an der Stoffkante ausgerichtet. Beim Ansteppen des Bundes landet man also in den Zähnchen.
Fast gut: 

Der erklärt den Reißverschlussschlitz bei Jeans sehr ausführlich und geduldig https://www.youtube.com/watch?v=h3NY4y-I6AY und er hat sogar daran gedacht, den Untertritt zu fixieren! Seine Ziersteppnähte muss er aber noch ein bisschen üben, es würde wahrscheinlich helfen, etwas dickeres Garn zu verwenden und eventuell die Stichlänge zu erhöhen.
 
So nicht!
 
Blitzende Besätze!

https://blog.bernina.com/de/2020/02/rei ... anleitung/

Die Anleitung für den sichtbar eingesetzten Reißverschluss ist an sich richtig, aber die Ausführung! 
Da blitzen rundum die Ränder vom Besatz/Taschenbeutel heraus und das noch dazu ungleichmäßig.

Also: Besatzteil beim Wenden sorgfältig nach innen ziehen, bügeln, kontrollieren, durchheften und dann erst den Reißverschluss anstecken und einsteppen.

Bei Materialien die sich nicht gut bügeln lassen, kann ein Sicherheitsstepp (dh die Nahtzugaben knappkantig auf den Besatz steppen) helfen.

Und wenn man es eilig hat oder keine Lust, dann im Himmels willen keine Kontrastfarben verwenden. Wenn Oberstoff und Besatz (Taschenbeutel) aus dem gleichen Material bestehen oder zumindest die gleiche Farbe haben, sieht man nicht gleich, dass die Ränder schlampig verarbeitet sind 

Man kann aus dem Besatzstreifen bzw. dem Taschenbeutel auch Paspeln falten und den RV dann verdeckt untersteppen. Die Paspeln dürfen dann natürlich sichtbar sein, gerne auch in Kontrastfarben. Aber gleichmäßig breit sollten sie schon sein 

Je nach Material sollte man den Oberstoff im Bereich des späteren Tascheneingriffs mit Bügeleinlage verstärken. Das gilt für alle eingeschnittenen Taschen, egal ob mit oder ohne Reißverschluss.
 
Wieder einmal ein Fall von einer OMG-Anleitung: https://www.laurashandmadewardrobe.com/ ... rcle-skirt

Sie verspricht, dass man nach ihrer Anleitung einen Vollkreisrock in weniger als einer Stunde anfertigen kann. Dabei unterschlägt sie (weil sie es nicht wissen dürfte), dass Kreisröcke sich in den ersten Tagen stark dehnen, da sie bereichsweise im Schrägfadenlauf zugeschnitten sind. Wenn man sie vor dem Säumen nicht aushängen lässt und mit dem Rockabgleicher oder Maßband und Lineal auf gleiche Länge bringt, läuft man mit zipfendem Saum durch die Gegend.

Außerdem näht sie den Rock ohne Reißverschluss. Das funktioniert bei ihr nur, weil die Nahtlinie unter ihrer eingezeichneten Taillenlinie liegt (und daher um einige cm weiter ist) und weil der Stoff sich soweit dehnen lässt, dass sie irgendwie reinkommt.

Also, in aller Deutlichkeit: Nach dieser Methode kann man einen Faschingsrock aus Tüll nähen oder auch aus einem festen Polyester, der sich im Schrägfadenlauf nicht dehnt, aber dann muss der Taillenausschnitt so weit sein, dass er über die Schultern oder über die Hüften geht und mit einem Gummizug zusammen gehalten werden.

Jeden Kreisrock (oder Halbreisrock), den man öfter als ein einziges Mal anziehen will, unbedingt sorgfältiger planen und anfertigen.

Sonntag, 26. Januar 2025

Nähtagebuch 2025

Da vernadelt.at im Juni geschlossen wird, verlege ich mein Nähtagebuch und andere Nähthemen aus dem Forum hierher. 

Große Nähpläne habe ich für heuer nicht, aber vielleicht schaffe ich es, ein paar begonnene Sachen abzuschließen, ansonsten Reparaturen und Umarbeitungen.

1. Aufgelöste Nähte bei der blauen Fleeceweste repariert (keine große Arbeit, aber erschwert neben dem dicken Metall-Reißverschluss)
2. Den Nicki-Overall zu einer Haushose umgearbeitet.

Dienstag, 2. Juli 2024

Stoffherstellung in vorindustrieller Zeit

Übernommen aus vernadelt.at.

ju_wien schrieb am 03.07.2024: Über das Spinnen und Weben erfährt man immer wieder was, dafür gibt es auch Kurse, auch das Färben von Garnen und fertigen Textilien kann man erlernen und in kleinem Rahmen zu Hause ausprobieren. Aber was sonst noch dazu gehört, damit aus pflanzlichen und tierischen Fasern ein Stoff wird, ist viel weniger bekannt.

Durch Zufall bin ich auf den englischen Ausdruck "tenters" gestoßen - das sind Trockengestelle, auf die Stoffe nach einer Nassbehandlung (Filzen, Walken, Färben, Schwemmen ...) fadengerade aufgespannt wurden, um das Einlaufen auszugleichen und den Stoff faltenfrei und glatt zu trocknen. Auf dieser Website finden sich faszinierende historische Fotos und Relikte und ausführliche Erklärungen über die einzelnen Arbeitsschritte bei der Textilproduktion (Schwerpunkt Wollstoffe) https://tenters.org/index.html

Donnerstag, 18. April 2024

Smok-Anleitungen und Schnitte (aus vernadelt.at)

Dieser Thread aus vernadelt.at wurde im Februar 2021 begonnen:

Im Nähkurs an der Kunst-VHS haben wir auch ein paar Smok-Muster gestickt und ich nehme mir seither vor, das irgendwann anzuwenden. (Naja, eigentlich nehme ich mir das schon viel länger vor.) Also zunächst einmal Anleitungen sammeln
Die technischen Grundlagen und verschiedene Arten von Smok sind in dem Buch von Ruth Singer "Stoffmanipulation" gut dargestellt. (Stiebner Verlag, gibt es aber auch in vielen Leihbüchereien). Alte Anleitungen, vorwiegend auf Englisch, findet man bei archive.org, zB https://ia803105.us.archive.org/21/item ... 20Book.pdf

Und eine sehr knappe Anleitung gibt es bei Brigitte https://www.brigitte.de/leben/wohnen/se ... 64364.html

Nebenbei: auf Englisch heißt es smock, smocking (mit ck), auf Deutsch Smok, smoken (ohne c). Beides führt auch zu vielen Treffern aus anderen Gebieten, von Räucheröfen und Anleitungen dazu angefangen über Rauchwaren, Pfeifen, bis zu Pornographie. Und "smock" ist auf Englisch auch ein Kittel oder Überzieher (der mit Smokarbeit verziert sein kann, aber nicht muss).

Samstag, 16. März 2024

Nähen und basteln für Ostern

Übernommen aus älteren Threads in vernadelt.at.

crea_tief schrieb: Aber da fällt mir ein: Ich hab da noch was "Osterfähiges", das ich im Vorjahr nach folgendem Tutorial genäht hab: http://mollychicken.blogs.com/my_weblog/2009/02/4th-attempt.html

Gehäkelte Entchen: http://susiefarmgirl.blogspot.com/2011/01/amigurumi-ducks-free-crochet-pattern.html 

Emmarie schrieb: 

von Emmarie » 03.04.2012 09:15

Endlich habe ich auch was zu einen Monatsthema beizutragen!!! 


Majoma schrieb: Noch ein paar Mini-Häschen fürs Osternest. Die Anleitung stammt von hier: http://www.craftpassion.com/2011/02/sew ... orial.html

Mizi schrieb: ca. 30 Pipi-Henderl 


 

Donnerstag, 4. Januar 2024

Nähanleitungssammelthread

Übernommen aus dem Forum vernadelt.at (2023). Es kann sein, dass Links nicht mehr funktionieren (insbesonderen Links nach vernadelt.at) Ich werde die ultralangen Threads später noch auf mehrere Posts verteilen und editieren. Zur Zeit geht es mir darum, das Wissen zu erhalten, bevor das Forum geschlossen wird.

ju_wien schrieb: Wenn man im Internet nach einer Anleitung für ein konkretes Nähproblem sucht, findet man ja oft merkwürdige Sachen (-> siehe "So nicht!" Thread).
Daher will ich hier einen Sammelthread mit guten Anleitungen zu diversen Nähproblemen starten.

Cut-outs, enge Rundungen, Nahtzugabe einschneiden https://ratundnaht.de/perfekte-cut-outs ... t-bildern/

In dieser Anleitung geht es zunächst um die Ausführung der Cut-Outs in einem Burda-Modell von vor einigen Jahren. Aber dabei zeigt die Autorin auch, was man generell beachten muss, wenn man enge Kurven näht (kleine Stichlänge, langsam nähen, alle paar Stiche anhalten und das Werkstück neu ausrichten) und wie man die Nahtzugaben an Rundungen beschneidet und einschneidet, damit sich der Stoff beim Wenden willig in die Kurven legt. (Das gilt auch bei Krägen, abgerundeten Taschen und überall, wo Teile an runden Nähten gewendet werden sollen.)

Das Burda-Modell von damals https://www.burdastyle.de/produkt/magaz ... 1020990std In dem großen Muster gehen die cut-outs allerdings unter. Ich würde dafür, wie Jenny, einen einfarbigen oder sehr dezent gemusterten Stoff wählen.

Zu Reißverschlüssen kommen sicher noch mehr Anleitungen, hier zunächst eine, die insa-ana gefunden hat und zwar von Kenneth D. King (Threads Magazine) https://youtu.be/dilNiUyuL28 und eine von Doris & Su https://www.youtube.com/watch?v=kydVdailwAQ In beiden Anleitungen geht es um den nahtfeinen Reißverschluss AKA Nahtreißverschluss. Darüber, ob man den nahtverdeckten RV unbedingt vor dem Schließen der Naht einsetzen muss oder ob es auch nachher möglich ist, sind sich Expert_innen uneins. Beides ausprobieren und dann bei der Methode bleiben, die dir besser liegt!

Das Werkzeug, das King zum Durchziehen des RV-Schiebers verwendet, heißt auf Englisch hemostat, auf Deutsch Gefäßklemme oder Arterienklemme und stammt aus dem Krankenhausbedarf. Wer dazu keinen Zugang hat, probiert es mit einer schmalen Flachzange oder Spitzzange. Außerdem ist es schlau, die provisorische (4 mm-) Steppnaht noch vor dem Anstecken des Reißverschlusses an ein paar Stellen aufzuschneiden, damit man später die Fäden leichter entfernen kann.

Hier noch eine IMO gut gelungene Beschreibung mit Text und Bildern https://www.sandalu.de/nahtverdeckten-r ... einnaehen/ 

 Hier wird gezeigt, wie man einen Reißverschluss direkt mit dem Oberstoff verstürzt einnähen kann https://www.youtube.com/watch?v=Y3xzXpFvzhw

Da es bei dieser Methode nur sehr wenige Nahtzugabe gibt und die NZG am Schlitzende bis zur Naht eingeschnitten werden muss, ist sie nur bei stabilen und wenig fransenden Stoffen empfehlenswert. In der Konfektion findet man solche RV vor allem bei Sportbekleidung (zB unten an den Beinen von Lauf-Tights).

Vorsicht: Bei Metallreißverschlüssen nicht über die Raupen steppen, bei breiten Dekor-Reißverschlüssen ist auch große Vorsicht geboten, wenn man nicht will, dass einem die abgebrochenen Nähmaschinnadeln um die Ohren fliegen!

Auch wenn die Ausführung sich noch verbessern lässt, finde ich die Anleitung gut verständlich.

Das Füßchen, das sie verwendet, ist übrigens kein Reißverschlussfüßchen, sondern wird von der Herstellern als "Overlock"-Füßchen bezeichnet. Wenn man mit der Nähmaschine versäubert, also meistens mit Zick-Zack-Stich, sticht die Nadel rechts außerhalb des Drahtes ein. Dieser Fuß reduziert also die Gefahr, dass sich weiche und dünne Stoffränder beim Versäubern zusammen ziehen und unschöne Wülste bilden.

 In einem Buch von Claire Shaeffer fand ich diese Anleitung, wie man einen normalen Reißverschluss unsichtbar einsetzen kann, allerdings ohne Zeichnungen oder Fotos:

Stitchless Zipper:
A variation of the slot zipper, the stitchless zipper was used extensively in the 1960s. To use this technique, the garment must have a backing.
1. Thread-trace and stay the opening.
2. Turn under the seam allowances; baste. Press.
3. Wrong side up, use running stitches to sew the zipper to the seam allowances only.
4. Fell stitch the edges of the zipper to the seam allowances.
5. Using blindstitches, sew the seam allowances to the backing.



Also, auf Deutsch: der RV wird nur an der Nahtzugabe angenäht, die Nahtzugabe wird an der Einlage fixiert. Damit ist auch klar, wann das gut funktionieren kann und warum es nach den 1960er Jahren nicht mehr so häufig gemacht wurde. Man braucht eine (stabile) Näheinlage, die an der Kante unsichtbar angehext wurde (im Text nicht extra erwähnt, aber das war damals Stand der Technik). Bei den heute üblichen dünnen Bügeleinlagen ist es schwierig, die NZG an der Einlage zu fixieren, ohne, dass Stiche oder auch nur winzige Einbuchtungen an der Außenseite sichtbar werden. Kleben wäre natürlich möglich, aber das ist erstens keine anerkannte Haute Couture Methode und zweitens sieht man geklebte Stellen meistens deutlich, da sich der Stoff dort nicht bewegen kann, aber daneben schon.

Das Buch heißt "Couture Sewing Techniques" und ist in mehreren Auflagen (mit unterschiedlichen Titelbildern) erschienen.

Nebenbei interessant: ich habe kurz gegoogelt, um rauszufinden, ob sie mit "backing" allgemein eine Einlage meint oder eine spezielle Einlage. Die Treffer waren aber fast alle für Anwendungen beim Quilten oder Maschinsticken (jede Menge aufbügelbare Einlagen und Vliese, auswaschbare Folien usw.). In heutigen Nähanleitungen wird meistens der Ausdruck interfacing für die Einlage verwendet. (Lining = Futter; underlining = ein Futter oder feiner Stoff, mit dem der Oberstoff unterlegt und dann wie eine Stofflage verwendet wird, zB bei Spitze oder anderen transparenten Stoffen, interlining = eine Zwischeneinlage, zB ein Wollvlies in einem Wintermantel). Im Threads Magazin gibt es alle paar Jahre langatmige Diskussionen darüber, ob unterlegen oder füttern "besser" ist, nur um ganz zum Schluss dann zu verraten, dass es vom jeweiligen Anwendungsfall abhängt;-)

Und noch eine Methode, einen normalen Reißverschluss fast unsichtbar einzusetzen, gefunden in einer älteren Ausgabe von Threads Magazine (April, Mai 2016, Seite 55 ff https://archives.threadsmagazine.com/th ... ipbook/54/)

Für den Fall, dass der Link irgendwann nicht mehr funktioniert, der Versuch einer Zusammenfassung:

1. Die Reißverschlussöffnung zu heften, Nahtzugaben auseinander bügeln.
2. An der Innenseite den RV mit der rechten Seite nach unten zentriert auf die Nahtzugaben legen, genau positionieren und dann ausschließlich an den Nahtzugaben feststecken.
3. Die Reißverschlussbänder an die Nahtzugaben steppen. Empfohlen wird dabei im Text ein Abstand von 1/4 Zoll, also rund 6 mm von den Rändern des RV-Bandes. Auf dem Foto sieht es aber näher am Rand aus (vielleicht 3 mm), denn ein RV-Band ist rund 1 cm bis 12 mm breit, 6 mm wäre also schon näher bei der Raupe als beim Rand).
4. Mit großer Stichlänge und ev. einer Kontrastfarbe von der Außenseite durch alle 3 Lagen steppen (Maschinheften), und zwar ca. 1/4 Zoll (6 - 7 mm, füßchenbreit) von der Mitte und bis etwa 2 cm unterhalb vom Ende der Reißverschlussöffnung.
5. Die Heftnaht von der Reißverschlussöffnung entfernen und den RV ein Stück öffnen.
6. Das Werkstück entlang der bei 4. angebrachten Heftnaht rechts auf rechts falten, den Blindstichfuß der Nähmaschine verwenden und das Werkstück so unter die Maschine legen, dass die rechte Hälfte des Fußes auf der Nahtzugabe (mit dem RV-Band darunter) liegt und das Führungsteil des Blindstichfußes genau an der Falte anliegt.
Blindstich einstellen und nähen. Wenn man beim Schieber ankommt, muss man das Füßchen heben, um ihn aus dem Weg zu schieben. Dabei die Nadel im Stoff lassen, damit nichts verrutscht.
Anschließend die andere Seite genau so falten und nähen.

Wenn man alles richtig gemacht hat, sind auf der rechten Seite nur winzige Stiche zu sehen.

Diese Methode funktioniert am besten bei nicht zu dünnen Stoffen und bei Stoffen mit etwas "Struktur". Da sieht man die winzigen Blindstiche (die ja eigentlich die linken Enden vom Zickzack sind) so gut wie gar nicht, wenn das Nähgarn gut auf den Stoff abgestimmt ist.

Wer noch nie mit dem Blindstichfuß gearbeitet hat und sich nicht vorstellen kann, wie das funktionieren soll, hier eine Anleitung von Bernina https://blog.bernina.com/de/2017/04/anl ... ch-saeume/ da geht es zwar um einen Hosensaum, aber die Vorgangsweise ist genau die gleiche wie oben. Und noch eine zweite Vorführung eines Blindstiches https://www.marjakatz.de/2017/02/sicher ... chine.html

Bei diesen beiden Anleitungen haben die Füßchen ein weißes Kunststoffteil als Führung, bei anderen Fabrikaten gibt es in der Mitte des Füßchens ein dünnes Blech. Der Blindstich besteht aus einer Abfolge von mehreren kurzen Steppstichen (rechts) und einmal Zickzack (links), das ist bei allen mir bekannten Haushaltsnähmaschinen gleich. Bei manchen kann man die Stichbreite so justieren, dass die Nadel links wirklich nur einen Teil des Fadens erfasst. Das erfordert aber Übung und ein paar Probenähte, um sich an den jeweiligen Stoff heranzutasten. Da mit der Hand Säumen auch nicht länger dauert, verwende ich den Blindstichfuß für normale Säume recht selten, aber das mit dem unsichtbar eingenähten RV will ich jedenfalls ausprobieren!

 Handziernaht mit "Linienspiegel". Schöne Handnähte können eine Zierde sein, wenn man sie schön gleichmäßig hinkriegt. In diesem Video zeigt Kenneth D. King, wie man sich die Arbeit erleichtern kann, indem man eine Maschinheftnaht als "Linienspiegel" erstens für die gerade Linie und zweitens für gleichmäßige Länge der einzelnen Stiche verwendet https://www.sewdaily.com/sewing/dressma ... le-stitch/

Kurzzusammenfassung: Zunächst mit der Maschine mit großer Stichlänge und gelockerter Oberspannung eine Heftnaht anbringen, wo nachher die Ziernaht hin soll. Er verwendet außerdem in der Unterspule ein festeres Garn (Knopflochgarn), damit er die Fäden später leichter rausziehen kann. Dann mit dem Zierfaden anhand der Maschinstiche immer 2 oben, 2 unten oder 2 oben, 1 unten oder wie immer man will, Vorstiche nähen. Anschließend den Unterfaden an ein paar Stellen durchknipsen, heraus ziehen. Der Oberfaden löst sich von selbst.

Er bezeichnet die Ziernaht als "saddle stitch", also Sattelstich. In anderen Quellen wird mit saddle stich eine Handnaht mit 2 Fäden und 2 Nadeln bezeichnet, die wir als "Zwienaht" kennen und die vor allem in der Lederverarbeitung üblich ist. Grundsätzlich aber ziemlich alle Zierstiche entlang so einer gesteppten einer Hilfslinie nähen. Man sollte nur versuchen, die maschingesteppten Fäden nicht allzu oft anzustechen, sonst wird später das Entfernen schwierig.

In diesem Video werden einige Probleme und Fehler beim Einsetzen von nahtfeinen Reißverschlüssen besprochen https://www.youtube.com/watch?v=Np-2eF407HI

 Etwas langatmig, aber eine interessante Methode, den Hosenreißverschluss einzusetzen! https://www.youtube.com/watch?v=W-ItX5EP08o Er näht den RV zunächst an den Untertritt an, bügelt dann die Nahtzugabe auf der Untertrittseite so zurück, dass sie beim unteren Schlitzende etwas vorsteht (dadurch wird verhindert, dass der Zip später blitzt) und steppt dann den Untertritt mit dem RV unter. Die Ziersteppnaht, die den Beleg hält, näht er von innen, dadurch sieht man besser, wo der RV endet. Untertritt und Beleg werden an zwei Stellen fixiert, damit nichts flattert.

Noch ein Hosenreißverschluss, diesmal nicht ganz zu Beginn, sondern erst in die fast fertige Hose eingesetzt! https://www.youtube.com/watch?v=2df1b7oSjoI Nebenbei sieht man da, dass Profis den RV mit dem normalen Nähfuß einsetzen. Die Füßchen von Industrienähmaschinen sind allerdings etwas schmäler als bei den meisten Haushaltsnähmaschinen, da sie ja nur Geradstich machen.

Und eine geniale Hilfe, die ganz leicht zu beschaffen ist: bei ungleich dicken Nahtstücken verwendet sie auf der dünneren Seite als Unterlage in PP-Band wie es zum Verschließen zu Kartons verwendet wird und täglich in großen Mengen im Müll landet. (Einfach im nächsten Supermarkt oder Baumarkt danach fragen.)

Auch Sebastian Hoofs steppt den Hosenreißverschluss zunächst auf den Untertritt und dann beide gemeinsam an den Hosenschlitz. Wie es sich für gute Maßarbeit gehört, wird ein bisschen geheftet. Die Ziersteppnaht wird bei Hoofs handgenäht (mit Punktstichen). https://www.youtube.com/watch?v=l3kFgUESzB4 Nebenbei werden ein paar Geheimnisse von Herrenmaßhosen gelüftet.

 Noch ein Hosenreißverschluss, diesmal von Su (Doris & Su) gezeigt https://www.youtube.com/watch?v=F8Q6gXTdpYA
Sie erklärt viele Details, sogar wie man beim Overlocken um die engen Kurven zwischen Schnittzugaben und vorderer Schrittnaht kommt. (Ich beneide sie grad um die Industieoverlock mit Kniehebel.) Den Schlitzbeleg (Untertritt) näht sie zum Schluss an. Und Doris zeigt, wie man den Taschenbeutel im RV mit einfassen kann https://www.youtube.com/watch?v=4sO_mRpB7z0

Der Hosenreißverschluss bei Jeans, gezeigt von Walter Lunzer. Er verwendet wieder eine etwas andere Reihenfolge https://www.youtube.com/watch?v=5-eWQG5i5JQ 

 Wie man einen Hosenreißverschluss in eine fertig genähte Hose einsetzen kann, erfährt man in Reparaturvideos, hier von Burda und Gütermann https://www.youtube.com/watch?v=QQzouXB5SXc

Ich habe bei meinen eigenen Jeans beim RV-Tausch viel weniger aufgetrennt und das RV-Band an de Übertrittseite nicht am abgelösten Beleg angesteppt, sondern durch Beleg und Oberstoff von außen. Die gelbe Jeans-Ziersteppnaht ist daher intakt geblieben und die Naht, mit der ich den Reißverschluss angesteppt habe ist mit passend blauem Garn nahezu unsichtbar, aus normaler Distanz völlig unsichtbar. Die oberen Enden der RV-Bänder habe ich auch nur sorgfältig zur Seite gebogen und fixiert und mir dadurch das Auftrennen und neu Steppen des Bundes erspart.

Ha! Sebastian Hoofs verwendet zum Aufbügeln von Einlage die gleiche Bügelpresse, die ich seit einigen Jahren auch verwende https://youtu.be/PjjQFP4KfpM?t=223 Für Kragen, Manschetten und sonstige Kleinteile ist die genial und für große Teile (ganze Jacken- oder Mantelvorderteile) ist sie im Hausgebrauch auch ausreichend.

Solche und ähnliche Bügelpressen findet man gebraucht bei willhaben oder ebay mit etwas Geduld um einstellige oder niedrig zweistellige Eurobeträge. (Wenn der Überzug nicht mehr schön ist, kann man ja einen neuen nähen.)

Der Vorteil der Bügelpresse gegenüber dem Bügeleisen ist nicht nur die Größe (man kann mehrere Kleinteile auf einmal aufbügeln), sondern auch, dass man nichts verschiebt, wenn man das Bügeleisen irrtümlich nicht immer wieder neu aufsetzt oder mit etwas Abstand darüber schwebt, wie Basti das vorführt, sondern wie beim normalen Bügeln weiter rutscht. Außerdem haben alle Dampfbügeleisen in der Sohle Löcher für den Dampf, die je nach Modell und verwendeter Einlage zu mehr oder weniger großen Komplikationen führen können (schlecht haftende Einlage, kleine "Gupferl" usw.). Es gibt auch Bügelpressenmodelle mit "Dampfautomatik", aber sicherer funktioniert ein feuchtes Tuch.

Im Video insgesamt wird gezeigt, wie man einen abnehmbaren Herrenhemdkragen anfertigt. https://youtu.be/PjjQFP4KfpM Viele Schritte sind bei einem fix angenähten Kragen natürlich genauso.

Sichtbar eingesetzter Reißverschluss in einer Nahttasche https://www.youtube.com/watch?v=NC9WaXRkkU8
Die bebilderte Anleitung zum Video https://www.einfach-naehen.com/seitlich ... erschluss/

Auf die gleiche Art kann man einen Reißverschluss auch in anderen Nähten sichtbar einsetzen, zB im Rücken eines Kleides. An Stelle des Taschenbeutels näht man dann nur ein kleines Stoff- oder Futterstück an, um die Enden und eine Kante oder auch nur ein Ende zu verstürzen.

Es ist sinnvoll, den Stoff zumindest dort, wo später eingeschnitten wird, mit Bügeleinlage zu sichern, je nach Material kann man auch den ganzen RV-Bereich mit Einlage verstärken. Außerdem sollte man beim Ansteppen der Taschenbeutel oder des Stoffstückes an den Enden eine kurze Stichlänge verwenden. Das erleichtert es einerseits, punktgenau die Markierungen zu treffen und sorgt zweitens dafür, dass der Stoff nicht so leicht ausfranst bzw. Maschen laufen.

(Sobald ich eine bessere Anleitung gefunden habe als oben verlinkt, wird der Beitrag hier editiert.)

Wie man bei einem Kleidungsstück mit nahtverdecktem Reißverschluss den Beleg verstürzt https://www.youtube.com/watch?v=4nZLJZLf0Sg
Es wird hier am Beispiel eines Rocks mit Passe gezeigt, funktioniert aber bei Kleidern mit Beleg am Halsausschnitt genauso.

Noch eine Anleitung, wie man einen RV in ein Kleidungsstück ohne Teilungsnaht einsetzen kann (zB Rollkragenpullover, Polohemd etc) https://youtu.be/JVJeDmtcets?si=3RAMzIUnQ5OFg0HH
Als sie knapp neben der längs gesteckten Nadel entlang gesteppt hat, habe ich die Luft angehalten. Das ist so nicht empfehlenswert, denn dabei verzieht sich der Stoff leicht und im schlimmeren Fall gibt es Nadelbruch.

Und das gleiche noch einmal ausführlicher und genauer gezeigt. Die Erklärungen sind auf Spanisch, aber man sieht auch ohne Spanischkenntnisse gut, worauf es ankommt https://youtu.be/nj1jkt9RASg?si=xWK7-fPh5tI1PKFV 

Wenn man sich das ganze vor dem Zuschneiden überlegt hat, kann man durch geschickte Anordnung von Teilungsnähten das Einsetzen des Reißverschlusses deutlich vereinfachen!
Sweatshirt mit Stehkragen https://www.youtube.com/watch?v=ebs6_C_pqzU
Krageneinsatz mit Reißverschluss (ebenfalls ein Sweatshirt oder ein Fleece-Sweater) https://www.youtube.com/watch?v=blPVtZpA3TA
Troyer https://www.youtube.com/watch?v=blPVtZpA3TA

Dienstag, 21. Juni 2022

Kappnähte an Blusen und Hemden

Übernommen aus www.vernadelt.at

ju_wien schrieb am 22.06.2022:

Auf der russischen Burdaseite gibt es ein paar Anleitungen für maschingesteppte Nähte, mit denen auch versäubert wird, also Kappnähte und französische Nähte. Dabei zeigen sie nicht nur, wie man die Nähte an geraden Stoffstücken anfertigt (dafür gibt es Millionen Anleitungen in Büchern und im Web), sondern auch beim Einsetzen von Hemden- und Blusenärmeln und bei Seitennähten mit Schlitz.

Die Google-Übersetzung ist ein bisschen lustig, aber man erkennt schon, wie es funktioniert.

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp (Zusammenfassung maschingesteppte Doppelnähte)

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp Einsetzen und Versäubern von Ärmeln mit Kappnaht) - das funktioniert nur bei flachen oder mittelhohen Ärmelkugeln ohne Falten oder Kräusel. Bei hohen oder gezogenen Kugeln könnte man die Nahtzugaben mit Schrägband einfassen, wenn man sie nicht mit Zickzack oder Overlock versäubern will (zB bei transparenten Stoffen.

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp Kappnaht in Verbindung mit einem Schlitz mit gerundetem Saum

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp Die korrekte Nahtverarbeitung bei einem Herrenhemd. Ich wüsste gerne, wie Industrienäherinnen das machen, denn für Heften ist keine Zeit, das Ergebnis muss aber trotzdem perfekt sein, zumindest bei den etwas besseren Marken. Zum Umbügeln der Kugelzugabe gibt es in den Fabriken wahrscheinlich Schablonen.

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp Französische Naht

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp Französische Naht die in einem Schlitz endet.

https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp und https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp Verarbeitungstipps für extrem dünne, weiche Stoffe (Seidenchiffon und ähnliche). ZB: Am Nahtanfang Papier unterlegen, damit der Stoff nicht ins Stichloch gezogen wird, analoge Nähte in die gleiche Richtung nähen, damit sie sich nicht unterschiedlich dehnen und, vor allem: Zeit nehmen und geduldig und konzentriert arbeiten.

Noch eine sehr lustige Google-Übersetzung - der "orangefarbene Stick" ist ein Manikürstäbchen aus Holz, mit dem man die Nahtzugabe knapp vor dem Nähmaschinenfuß oder seitlich davon glatt halten kann https://burdastyle-ru.translate.goog/ma ... r_pto=wapp

Mittwoch, 20. April 2022

Ideensammlung Folkloreblusen

ju_wien schrieb am 17.04.2022 auf vernadelt.at: Dieser Tage bin ich über Vishyvankas gestolpert, das sind traditionelle bestickte Blusen und Hemden aus der Ukraine https://en.wikipedia.org/wiki/Vyshyvanka (Ähnliche gibt es auch in anderen Ländern Ost- und Südosteuropas.)